The Book.

Essenzwort.

Eigensinn

Warum dieses Buch.

Dresden, 1989.

Toni ist dreizehn Jahre alt.

Er versucht zu verstehen, warum er eine Schwester hat, die nur er sehen kann.

Zu Hause wird vieles verschwiegen.

In der Schule bestimmen Fahnenappelle, Verbote und ein systemtreuer Lehrer den Alltag.

Und über allem liegt das Gefühl, dass etwas nicht stimmt, ohne dass Toni sagen könnte, was genau.

Dann freundet er sich mit Maik an.

Maik ist sitzengeblieben, trägt ein Hörgerät und scheint vieles klarer zu erkennen als die Menschen um ihn herum.

Als Toni ihm in einem entscheidenden Moment beisteht, beginnt für beide ein Sommer, in dem sich ihre Welt langsam öffnet.

Ich habe dieses Buch gewählt, weil es von Eigensinn erzählt.

Von zwei Jungen, die ihrer Wahrnehmung vertrauen, obwohl die Erwachsenen ihnen eine andere Wirklichkeit vorgeben.

Die sich eigene Orte schaffen.

Eigene Gedanken entwickeln.

Und allmählich erkennen, dass sie nicht alles übernehmen müssen, was ihnen vorgelebt wurde.

Nicht das Schweigen ihrer Familien.

Nicht die Regeln eines Systems.

Und nicht die Geschichten, die andere bereits für sie geschrieben haben.

Stimmung.

Ein Sommer am Rand von Dresden.

Die Elbe.

Verstecke im Grünen.

Schulhöfe, Familienwohnungen und Orte, an denen Kinder für einen Moment unbeobachtet sein können.

Die Welt des Romans liegt zwischen mehreren Zeiten.

Zwischen Kindheit und Erwachsenwerden.

Zwischen dem Alltag der DDR und einem politischen Umbruch, der sich bereits ankündigt.

Zwischen dem, was Toni wahrnimmt, und dem, was niemand außer ihm sehen kann.

Seine Schwester bewegt sich wie eine leise Spur durch die Geschichte.

Vielleicht ist sie Erinnerung.

Vielleicht Fantasie.

Vielleicht ein Ausdruck für etwas, dem Toni noch keine Worte geben kann.

Trotz der Enge und des Schweigens wirkt der Roman nicht bedrückend.

Denn mit Maik entsteht etwas Neues.

Ein eigener Raum.

Eine Freundschaft.

Und die vorsichtige Ahnung, dass das Leben auch anders verlaufen könnte.

Literarische Qualität.

Thilo Krause erzählt nah an Tonis Wahrnehmung.

Er erklärt die DDR nicht aus der Rückschau.

Er zeigt sie durch kleine Beobachtungen.

Durch verbotene Dinge aus dem Westen.

Durch die Sprache der Lehrer.

Durch das Schweigen der Erwachsenen.

Und durch die Fragen eines Jungen, der vieles spürt, aber noch nicht einordnen kann.

Die Sprache ist poetisch, ohne sich von den Figuren zu entfernen.

Manche Bilder bleiben bewusst in der Schwebe.

Erinnerung, Wirklichkeit und Fantasie gehen ineinander über.

Gerade dadurch entsteht eine besondere Nähe zu Toni und seiner Suche nach Antworten.

Der Roman lebt weniger von großen historischen Ereignissen als von unscheinbaren Momenten.

Von Blicken.

Von Gesprächen.

Von Verstecken am Rand der Stadt.

Und von einer Freundschaft, durch die zwei Außenseiter beginnen, ihre eigene Welt zu entwerfen.

Zur Entstehung.

Thilo Krause wurde 1977 in Dresden geboren und war selbst noch ein Kind, als die DDR zu Ende ging.

Heute lebt er in Zürich und ist vor allem für seine Lyrik sowie seinen ersten Roman „Elbwärts“ bekannt.

In seinen Texten kehrt er immer wieder zu den Landschaften und Erfahrungen seiner Kindheit zurück.

Zur Elbe.

Zu den Randgebieten Dresdens.

Und zu der Frage, wie Orte und Familiengeschichten einen Menschen prägen.

„Jetzt, wo du ein Held bist“ ist sein zweiter Roman.

Das Buchprojekt wurde 2025 mit einem Werkjahr des Kantons Zürich ausgezeichnet und erschien 2026 im Hanser Verlag.

Vielleicht wirkt die Geschichte auch deshalb so glaubwürdig, weil sie nicht versucht, eine ganze Epoche zu erklären.

Sie bleibt bei den Dingen, die ein Kind sehen, hören und fühlen kann.

Und zeigt darin eine Welt, deren Gewissheiten bereits zu zerbrechen beginnen.

Meine Leseempfehlung.

Lies dieses Buch in Ruhe.

Vielleicht an einem späten Nachmittag, wenn das Licht langsam weicher wird.

Ohne den Anspruch, jede Andeutung sofort verstehen zu müssen.

Der Roman erzählt viel über Stimmungen, Erinnerungen und Dinge, die unausgesprochen bleiben.

Manches erschließt sich erst später.

Anderes darf offenbleiben.

Gerade darin liegt seine besondere Wirkung.

Warum es zu dieser Edition passt.

Diese Edition von TOKI. steht für Eigensinn.

Nicht als Sturheit.

Und nicht als Abgrenzung von anderen.

Sondern als Fähigkeit, der eigenen Wahrnehmung zu vertrauen, auch wenn sie von niemandem bestätigt wird.

„Jetzt, wo du ein Held bist“ erzählt von zwei Jungen, denen ständig erklärt wird, wie sie zu denken, zu fühlen und zu leben haben.

Doch Toni und Maik beginnen, eigene Antworten zu suchen.

Sie schaffen sich Freiräume.

Stellen Regeln infrage.

Und entdecken in ihrer Freundschaft die Möglichkeit, nicht dieselben Wege zu gehen wie die Generationen vor ihnen.

Ihr Eigensinn ist nicht laut.

Er zeigt sich in kleinen Entscheidungen.

In einem Versteck an der Elbe.

In einem Moment des Mutes.

Und darin, einem anderen Menschen beizustehen, obwohl es leichter wäre, sich anzupassen.

Eine Frage, die bleiben darf.

Wo darfst du deiner eigenen Wahrnehmung vertrauen, auch wenn niemand sie bestätigt?

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The Tea.


Zwischenlicht

Feine Weißteekomposition

Eine naturbelassene Komposition aus zwei weißen Tees.

Pai Mu Tan.

Und Pu Er Bai Ya.

Der Pai Mu Tan bildet die ruhige Grundlage.

Große Blätter.

Junge Triebe.

Und silbrig schimmernde Knospen.

Sein Geschmack ist weich.

Leicht blumig.

Mit feinen Noten von Heu und einer zurückhaltenden Süße.

Der Pu Er Bai Ya ergänzt ihn um eine zweite, kaum greifbare Ebene.

Etwas wilder.

Etwas herber.

Mit Anklängen von getrockneten Blüten, Holz und frischen Kräutern.

Keiner der beiden Tees ist laut.

Doch gemeinsam entsteht eine Mischung, die sich nicht sofort vollständig zeigt.

Während ich sie probierte, musste ich an Toni denken.

An seine Schwester, die nur er sehen kann.

An Maik.

Und an all das, was in diesem Roman vorhanden ist, ohne ausgesprochen zu werden.

Auch Zwischenlicht bewegt sich zwischen verschiedenen Eindrücken.

Zwischen hell und dunkel.

Zwischen weich und eigenwillig.

Zwischen einem vertrauten weißen Tee und einer feinen Note, die sich nicht eindeutig festhalten lässt.

Vielleicht ist es genau dieses Schweben, das ihn so passend für die Geschichte macht.

Er ist ruhig.

Aber nicht angepasst.

Zurückhaltend.

Aber nicht ohne Charakter.

Herkunft und Charakter.

Pai Mu Tan, auch Bai Mu Dan genannt, gehört zu den traditionellen weißen Tees Chinas.

Für ihn werden junge Blätter und silbrig behaarte Knospen verwendet.

Nach der Ernte werden sie nur behutsam gewelkt und getrocknet.

Die Blätter behalten dadurch ihre natürliche Form und entwickeln einen milden, vielschichtigen Geschmack.

Pu Er Bai Ya stammt aus der Teewelt Yunnans.

Er besteht aus jungen, noch geschlossenen Knospen alter Teebäume.

Auch sie werden nur zurückhaltend verarbeitet.

Im trockenen Zustand erinnern die kleinen Knospen beinahe an helle Tannenzapfen.

Ihr Geschmack ist fein und leicht süß.

Mit floralen, pflanzlichen und dezent harzigen Noten.

In Zwischenlicht bleibt der Pai Mu Tan im Vordergrund.

Der Pu Er Bai Ya begleitet ihn.

Nicht als deutlich abgesetzter Geschmack.

Sondern als feine Veränderung im Hintergrund.

Beide Tees sind naturbelassen.

Ohne zugesetzte Aromen.

Der Aufguss bleibt hell.

Strohfarben bis sanft golden.

Und verändert sich mit jedem weiteren Aufguss ein wenig.

Woran man gute Qualität erkennt.

Bei einem guten Pai Mu Tan sollten die unterschiedlichen Bestandteile noch erkennbar sein.

Größere Blätter.

Junge Triebe.

Und einzelne helle Knospen.

Die Blätter müssen dabei nicht einheitlich grün aussehen.

Silbrige, grüne und bräunliche Töne können nebeneinanderliegen.

Das gehört zum natürlichen Erscheinungsbild dieses Tees.

Auch der Pu Er Bai Ya sollte seine Form behalten.

Die Knospen wirken kompakt.

Hell.

Und von einem feinen Flaum überzogen.

Der trockene Tee sollte frisch riechen.

Nach Heu.

Blättern.

Getrockneten Blüten.

Vielleicht auch ein wenig nach Holz.

Nicht dumpf.

Nicht muffig.

Und nicht künstlich parfümiert.

Nach dem Aufgießen öffnen sich die Blätter langsam.

Der Geschmack sollte weich bleiben und dennoch mehrere Ebenen zeigen.

Keine starke Bitterkeit.

Keine aufgesetzte Süße.

Was bleibt, ist ein klarer, ruhiger Eindruck.

Und eine feine Tiefe, die sich erst mit der Zeit bemerkbar macht.

Stimmung.

Spätsommer an der Elbe.

Das Licht wird bereits weicher.

Zwei Jungen sitzen an einem Ort, den sie nur für sich geschaffen haben.

Hinter ihnen liegt die Stadt.

Vor ihnen das Wasser.

Und irgendwo dazwischen beginnt sich etwas zu verändern.

Zwischenlicht gehört genau in diesen Moment.

Nicht mehr ganz Tag.

Noch nicht Abend.

Ein Zustand, in dem Konturen unsicher werden und manches sichtbar wird, das im klaren Licht verborgen bleibt.

Der Tee begleitet diese Stimmung.

Der Pai Mu Tan wirkt hell, weich und offen.

Der Pu Er Bai Ya bringt eine leisere, eigenwillige Spur hinein.

Wie eine Erinnerung.

Oder wie ein Gedanke, der sich noch nicht vollständig aussprechen lässt.

Dieser Tee verlangt keine Eile.

Er macht nicht sofort auf sich aufmerksam.

Doch wenn du ihm Zeit gibst, verändert sich seine Wirkung.

So wie der Roman.

Und so wie Toni und Maik in jenem Sommer, in dem eine alte Ordnung noch besteht, aber bereits ihre Gewissheit verliert.

Zubereitung als Ritual.

Etwa zweieinhalb Gramm Tee.

250 Milliliter Wasser.

Auf ungefähr 80 Grad abgekühlt.

Drei Minuten ziehen lassen.

Da die Blätter des Pai Mu Tan leicht und voluminös sind, wirkt die Menge zunächst größer als bei einem fein gerollten Tee.

Gib den Blättern ausreichend Platz.

Am besten in einer Kanne oder einem großen Sieb.

So können sie sich langsam öffnen.

Mit einer etwas kürzeren Ziehzeit bleibt der Tee besonders hell und fein.

Mit mehr Zeit treten seine pflanzlichen und holzigen Noten deutlicher hervor.

Zwischenlicht lässt sich mehrfach aufgießen.

Für den zweiten Aufguss kannst du das Wasser wieder auf etwa 80 Grad bringen und den Tee drei bis vier Minuten ziehen lassen.

Beobachte, wie sich die Blätter verändern.

Wie der Aufguss langsam Farbe annimmt.

Und wie aus denselben Blättern ein etwas anderer Geschmack entsteht.

Dann lies.

Warum er zu dieser Edition passt.

„Jetzt, wo du ein Held bist“ erzählt von einer Welt dazwischen.

Zwischen Kindheit und Erwachsenwerden.

Zwischen Wirklichkeit und Vorstellung.

Zwischen einer alten Ordnung und einer Zukunft, die noch niemand erkennen kann.

Toni lebt in einem Umfeld, in dem andere bestimmen wollen, was wahr ist.

Was gesagt werden darf.

Und welchen Weg ein Mensch nehmen soll.

Doch gemeinsam mit Maik beginnt er, seiner eigenen Wahrnehmung zu vertrauen.

Zwischenlicht greift dieses Dazwischen auf.

Der Pai Mu Tan gibt dem Tee seine ruhige, helle Grundlage.

Der Pu Er Bai Ya setzt eine eigenwillige Spur, die nicht im Vordergrund stehen muss, um den Charakter der Mischung zu verändern.

Auch die Freundschaft zwischen Toni und Maik lebt von diesem Zusammenspiel.

Zwei Menschen, die unterschiedlich sind.

Die beide ihren eigenen Blick auf die Welt haben.

Und die einander gerade deshalb etwas geben können.

Diese Edition steht für Eigensinn.

Nicht als Sturheit.

Sondern als Fähigkeit, den eigenen Empfindungen zu vertrauen.

Zwischenlicht begleitet diesen Gedanken mit einem Tee, der leise bleibt und trotzdem unverwechselbar ist.

Er erklärt sich nicht sofort.

Er verlangt Aufmerksamkeit.

Und gibt mit jedem Aufguss etwas mehr von sich preis.

Genau darin begegnen sich Buch und Tee.

Ein letzter Hinweis zur Zubereitung.

Die Angaben oben sind meine Empfehlung.

Nicht mehr.

Du kannst den Tee leichter aufgießen.

Oder kräftiger.

Etwas kürzer ziehen lassen.

Oder ihm mehr Zeit geben.

Auch die Temperatur darf sich verändern.

Mit etwas kühlerem Wasser bleibt Zwischenlicht besonders weich und floral.

Mit etwas wärmerem Wasser treten seine pflanzlichen und holzigen Seiten deutlicher hervor.

Es gibt hier kein richtig und kein falsch.

Dieser Tee ist kein Prüfstein.

Er ist ein Begleiter.

Vielleicht wirkt er beim ersten Aufguss fast schwerelos.

Vielleicht entdeckst du erst im zweiten eine neue Nuance.

Entscheidend ist nicht die perfekte Zubereitung.

Sondern der Moment, in dem du innehältst.

Lass ihn einfach Teil deines Lesens werden.

Und bleib einen Moment.

Ein Buch.

Ein Tee.

Ein Moment.

Für dich ausgewählt.